Die Positionen stehen nicht im Regelwerk
Es ist wichtig, das gleich klarzustellen: Das Regelwerk kennt nur Vorderfeld, Hinterfeld und Libero. Zuspieler, Mittelblocker, Diagonalspieler und Außenangreifer sind taktische Konventionen, keine Regeln. Niemand kann euch abpfeifen, weil der Mittelblocker zugespielt hat: Die einzigen Positionsbeschränkungen betreffen den Libero und die 3-Meter-Linie für Spieler im Hinterfeld.
Dennoch gibt es die Spezialisierung, weil sie funktioniert: Sechs Spieler, die im Voraus wissen, was sie tun, machen viel weniger Fehler als sechs, die spontan entscheiden.
Die sechs Positionen
Zuspieler. Er spielt den zweiten Ball, entscheidet, wer angreift und mit welchem Tempo. Diese Position wird mehr mit dem Kopf als mit dem Körper trainiert: Er muss stabil unter jedem Ball stehen und immer gleich zuspielen, da der Angreifer auf die Wiederholbarkeit vertraut. Im Hobbybereich ist das die wichtigste Position: Ein mäßiger Zuspieler macht einen starken Angreifer nutzlos.
Diagonalspieler. Er steht diagonal zum Zuspieler und greift von Position 2 an, oft auch aus dem Hinterfeld. In geordneten Systemen nimmt er als Einziger nicht an der Annahme teil und hat daher die größte Angriffslast. In einer Freizeitmannschaft ist das der richtige Platz für jemanden, der einen starken Arm hat, aber nicht gerne baggert.
Mittelblocker (zwei). Sie greifen im Schnellangriff über die Mitte an und sind Hauptverantwortliche für den Block: Sie bewegen sich am Netz entlang, um den gegnerischen Angriff zu schließen. Sie sind meist die größten Spieler des Teams und werden im Hinterfeld oft durch den Libero ersetzt.
Außenangreifer (zwei). Sie sind die Allrounder: Sie nehmen an, greifen von Position 4 an und verteidigen im Hinterfeld. Wenn ihr zwei komplette Spieler habt, ist das ihr Platz.
Libero. Ein Abwehrspezialist, der nur im Hinterfeld spielt und ein andersfarbiges Trikot trägt: Er darf nicht über Netzhöhe angreifen, nicht blocken und nach FIVB-Regeln nicht aufschlagen.
Warum die Diagonalen
In der Standardaufstellung stehen die Positionen in der Rotation in gegenüberliegenden Paaren: Zuspieler und Diagonalspieler, die beiden Mittelblocker zueinander, die beiden Außenangreifer zueinander. Der Grund ist einfach: In jedem Moment der Rotation hast du auf beiden Linien einen Zuspieler, einen Mittelblocker und einen Außenangreifer auf dem Feld, sodass das Spiel über alle sechs Rotationsrunden ausgeglichen bleibt. Wenn ihr die Diagonalen falsch aufstellt, habt ihr in zwei von sechs Rotationen zwei Mittelblocker vorne und niemanden, der zuspielen kann.
Daraus ergibt sich die Bezeichnung, die man in der Halle hört: 5-1 bedeutet ein einziger Zuspieler und fünf Angreifer; 4-2 bedeutet zwei Zuspieler auf der Diagonalen, wobei immer derjenige zuspeilt, der sich im Vorderfeld befindet.
Wie man die Positionen unter Freunden verteilt
Bei sechs oder sieben Spielern mit unterschiedlichem Niveau ist die Größe nicht das beste Kriterium:
- Wer das beste Ballgefühl in den Händen hat → Zuspieler. Er muss nicht springen können: Wichtig ist, dass sein Zuspiel immer am selben Punkt landet.
- Wer springen kann und gutes Timing hat → Mittelblocker. Blocken lernt man schneller als den Schnellangriff über die Mitte.
- Wer keine Angst vor dem Ball hat und tief steht → Libero oder Abwehrspieler. Das ist eine Position, die auch ohne Angriffe viel Spaß macht.
- Wer den härtesten Schlag hat → Diagonalspieler. Setzt dort den Spieler ein, der die Punkte macht, da er von Position 2 die meisten Bälle bekommt.
- Die beiden komplettesten Spieler → Außenangreifer. Sie nehmen an und greifen an: Das ist die Position, auf der man am meisten lernt.
Wenn ihr zu sechst ohne Auswechselspieler seid, ist das einfachste System das 6-6: keine Spezialisierung, es spielt derjenige zu, der auf Position 3 (oder Position 2) steht. Man verliert an Effizienz, muss sich aber nichts merken – für einen Spieleabend ist das die richtige Wahl. Der nächste Schritt ist das 4-2: zwei Zuspieler auf der Diagonalen, es spielt immer der vordere zu, die anderen vier greifen an. Zum 5-1 wechselt man, wenn ein Zuspieler deutlich besser ist als die anderen.
Die Positionen im Mixed und im Beachvolleyball
Bei Mixed-Turnieren zählt die Spezialisierung weniger als die Einhaltung der Vorgaben: Wenn das Regelwerk vorschreibt, dass jederzeit zwei Spielerinnen auf dem Feld stehen müssen, werden die Positionen in diagonalen Paaren verteilt, damit die beiden Spielerinnen nicht immer auf derselben Linie stehen. Im Beachvolleyball gibt es überhaupt keine festen Positionen: Beide Spieler nehmen an, spielen zu, greifen an und blocken, und die einzige Spezialisierung ist, wer blockt und wer abwehrt.